Montag, 5. Januar 2009

WTF

Habe ich mal gesagt, das Gute an elektronischer Musik ist, dass der Einstieg so niedrigschwellig ist, dass jeder das machen kann, auch wenn er oder sie nicht acht Jahre Geigenunterricht genommen hat?
Ich nehme es zurück.
"Der Anteil der beiden VCOs am Sound wird mit dem VCO-Balanceregler bestimmt, als Filtertypen stehen Tiefpass, Bandpass und Hochpass bereit, die Filter haben natürlich Cutoff Frequency und Resonanz. Dazu gibt es noch eine ADSR-Hüllkurve, die den VCA steuern kann, aber nicht muss, denn der lässt sich auch gaten. Patchen kann man natürlich auch, nicht ganz so exzessiv zwar wie bei Korgs Legacy Collection (...), allerdings sehr effizient: Für jeden Synth gibt es einen LFO, der wahlweise zur Geschwindigkeit synchronisiert oder frei laufen kann, und Sinus, Dreieck, Rechteck oder Sample & Hold rausgibt. Steuern kann man damit dann Master Pitch, VCO1 und VCO2 Pitch separat, Cutoff und VCA, wobei die Modulationsintensität über jeweils eigene Drehregler bestimmt wird."
(aus der Besprechung dieses Dingsdas)
1. Ist das jetzt gut oder schlecht?
2. Soll ich mir das kaufen?
3. Kann ich dann damit Musik machen oder soll ich lieber wieder anfangen, Geige zu spielen?

Montag, 29. Dezember 2008

Das generische Maskulinum

...treibt mitunter die skurrilsten Blüten. Hier eine Werbung für Sarah Silvermans "provokante Show aus den USA":

Dienstag, 25. November 2008

Zeichenwald Electronic Beats Festival

Die Schlange an der Gästeliste ist so lang, dass man 45 Minuten warten muss, um reinzukommen. Es sieht tatsächlich so aus, als würde die Mehrheit der Besucher über diesen Eingang kommen. Die zwei Jungs vor uns in der Schlange kriegen VIP-Schilder und Getränkegutscheine, wir nicht, wir kriegen pinke Armbändchen. Beim ersten Rundgang wird klar, warum VIP sein von Vorteil ist: Nur in der offensiv platzierten VIP-Area kann man sitzen, wenn man einmal von den paar längst belegten Erholungsskulpturen im Untergeschoss absieht. Mindestens die Hälfte der Besucher arbeitet offenbar bei MTV, der Rest wahrscheinlich irgendwo in der restlichen Medienbranche. Ich erwäge, noch mal neu anzufangen und ein Handwerk zu lernen. An der Garderobe wird zur Gewissheit, was ich schon den ganzen Sommer über geahnt hatte: es ist die American Apparel-Tasche und nicht der Tunbeutel. Gleichzeitig ärgere ich mich, weil ich weiß, wie die dumme Tasche heißt, die aussieht, als wäre darin mal ein Igluzelt verpackt gewesen.
Die Dekoration ist auffallend pink, an jeder Ecke wird Essen angeboten; Hot Dogs, belegte Baguettes. Klar, es ist zehn Uhr abends, die Leute kommen gerade von der Arbeit. Es gibt noch andere Stände, z.B. mit T-Shirts, und ich werde den Verdacht nicht los, dass ich heute Abend hier auch einen Telefonvertrag abschließen könnte. Jedes Mal, wenn sich jemand eine Zigarette anzündet, ist sofort ein dicker Security-Mann zur Stelle, der auf das Rauchverbot hinweist. Aufgrund des hohen Bewegungsaufkommens (die Leute suchen dringend was zum hinsetzen!) wird einer der beiden Treppenaufgänge kurzerhand zum VIP-Treppenaufgang erklärt. Zwei Spackos legen Platten auf, sie werden von vier Kameras gleichzeitig gefilmt. Auch wir haben mit Betreten der Veranstaltung alle unsere Rechte aufgegeben, steht auf angeklebten DIN A4 Zetteln. Ein Mann mit einem Klemmbrett will wisssen, ob mich morgen jemand anrufen kann und fragen wie mir die Veranstalung gefallen hat. Morgen werden Köpfe rollen. Ich lehne ab.
Oben fangen die Bands an zu spielen, unten posieren zwei Mädchen für eine Fotografin. Als die Mädchen anfangen sich gegenseitig auszuziehen, bleiben alle möglichen Leute stehen und fotografieren das mit ihren Telefonen. Ich geh mir Peaches angucken. Sie trägt ein pinkes Kostüm und sieht um den Kopf herum aus wie ein Pudel. Nach jedem Lied zieht sie ein Kleidungsstück aus, am Ende kann man sehen, dass sie ein Blinklicht an ihrer Unterhose befestigt hat. Das ist ja mal wirklich provokant, denke ich, und frage mich, warum mir trotzdem so langweilig ist.
Ich schaue mich um und denke, so sieht es also aus, wenn Eventmanager Subkultur inszenieren und nebenbei eine Werbebotschaft unterbringen müssen. Die willkürliche und rein effekthascherische Zusammenfügung von aufdringlich bedeutungsgeladenen Zeichen ist armselig und frustrierend, und vor allem: sie ergibt überhaupt keinen Sinn, aber die Leute scheinen sich zu amüsieren, und plötzlich verstehe ich, was postmodern ist, und warum Umberto Eco sich weigert, sich damit zu beschäftigen. Ich will mich auch nicht damit beschäftigen und tanze ein bisschen, und freue mich darüber, dass die Frau neben mir so lustig und außerordentlich postmodern tanzt.

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Angst vor der Zukunft

Bekanntermaßen bin ich ja eine große Freundin von Automaten im Alltag. Aber der Apparat, auf den ich neulich auf der Toilette eines irischen Fastfood-Restaurants stieß, hat mich ins Grübeln gebracht. Er sah ungefähr so aus:
Es handelt sich um ein Loch in der Wand, in das man seine Hände stecken soll, und dann werden sie gewaschen. Zunächst einmal gibt es, glaube ich, eine natürliche und berechtigte Scheu davor, seine Hände einfach in irgendwelche dunklen Löcher zu stecken. Nachdem ich diese überwunden hatte und ein Sensor meine schüchternen Händchen erfasst hatte, bekam ich eine Portion Flüssigseife auf meine Handgelenke geklatscht. Gleich darauf tröpfelte kaltes Wasser in der hinteren rechten Ecke dieser Höhle auf meine Fingerspitzen. Noch unschlüssig, wie ich mit der Seife auf meinen ansonsten immer noch trockenen Handgelenken verfahren sollte, probierte ich ein paar Waschbewegungen, als das Wasser schon wieder aufhörte zu tröpfeln und aus der linken hinteren Ecke heiße Luft geblasen wurde. Da stand ich nun mit feuchten Händen und klebrig eingeseiften Handgelenken, und verfluchte die Automatenwelt, während das dumme Gebläse nicht aufhören wollte, heiße Luft zu produzieren und für einen zweiten Durchgang noch lange nicht bereit war.
Wenn ich mir überlege, wie Automaten unsere Leben schöner machen können, dann fällt mir trotz langem Nachdenken nicht ein, warum ich eine Maschine brauche, die mir bevormundend und noch dazu schlecht die Hände wäscht. Was soll das überhaupt? Jeder hat seine eigene Reihenfolge beim Händewaschen und sein Ritual (schon mal jemandem beim Händewaschen zugeschaut, der Medizin studiert hat?). Unterschiedliche Leute haben unterschiedlich schmutzige Hände, wie will diese dumme Maschine dem Rechnung tragen? Und ich mache mir Sorgen: Müssen wir uns auf eine Zukunft der schlecht gewaschenen seifigen Hände einstellen? Ich dachrte die Zukunft ist clean? Das wäre ja dann wohl das Gegenteil. Und vor allem: Was kommt als nächstes? Die automatische Toilette, die nach dreißig Sekunden einfach spült und die Tür aufmacht? Jemand erzählte mir einmal von einem Pflegeheim, in dem selbstreinigende Toiletten eingeführt wurden, bei denen sich der Sitz beim Reinigen dreht. Irgendwie hatte die Toilette nicht verstanden, dass noch eine Omi auf der Brille saß, als sie anfing, den Sitz zu drehen. Die arme Omi wusste nicht wie ihr geschah, als sie mit dem Toilettensitz zusammen rotierte... So sehr ich all die Maschinchen liebe und bewundere, die auf wunderbare Weise meine Wäsche und mein Geschirr und mein Auto waschen: mich selbst kann ich noch am besten sebst waschen.
Und wie immer gibt es gleichzeitig den entgegengesetzten Trend: Am Flughafen in Dublin sah ich nur wenige Tage später eine voll besetzte Schuhputzstation, in der drei Frauen in der altbekannten Pose, die wie keine andere die Demütigung des Dienenden zum Ausdruck bringt, zeitunglesenden Anzugträgern die Schuhe polierten. Dabei gibt es dafür doch nun wirklich Maschinen, und jede Rolltreppe macht das gerne im vorbeifahren.

Dienstag, 23. September 2008

Frage

... "klischeehafte Stereotypen" wollte ich gerade schreiben, weil es mir so ein natürlich zusammengehöriges Paar erschien, und tatsächlich, die zwei mögen sich gerne. Aber in Wirklichkeit ist das doch reine Vokabelanhäuferei, oder, wie unsereins gerne sagt, ein Pleonasmus. Denn Klischee = Stereotyp? Nur in einer anderen Disziplin?

Freitag, 29. August 2008

Verschwörungsalarm

Hinter jedem Busch, und, was noch schlimmer ist, hinter jedem Lehrstuhl und jedem Lehrerpult lauert heutzutage eine Feministin mit einer riesengroßen Heckenschere. Jetzt haben es diese feigen Biester auf die Schwächsten der Gesellschaft: die kleinen Jungs abgesehen. Deswegen sind die Lehrpläne neuerdings voll von Mädchenthemen wie: mit bloßen Füßen über eine Wiese laufen, Libellen beobachten und Schmetterlinge hinter Glas malen. Kein Wunder also, dass Jungen in der Schule immer schlechter werden. Der heimtückische Plan der feministischen Weltverschwörung lautet wie folgt: durch die gezielte Auslassung jungenspezifischer Themen (wie: Fussball, Ritterburg) wird das Interesse der Jungen am Schulunterricht systematisch sabotiert, um Mädchen einen Vorteil in der Berufswelt zu verschaffen, in der diese, auch so ein perfides Gerücht der Feministinnenlobby, bislang benachteiligt waren.
Bald hat die Feministinnenmafia ihr Ziel erreicht: schon sind große Teile der Universitäten, der Gewerkschaften, Schulbehörden und der Bundesregierung in ihrer skrupellosen Gewalt. Mit Hilfe von steuerfinanzierten Konfliktlotsen sowie des Berliner Verein "Dissens" und unter dem Deckmäntelchen des sogenannten "Gender Mainstreaming" wird die Männlichkeit und mit ihr ihre hervorragendsten Eigenschaften wie: Risikobereitschaft, Konkurrenzdenken, Aggressivität bald ausgemerzt sein.
Ja, so ist das. Und wer hat's aufgedeckt? Richtig: schon wieder die unerschrockenen Ritter vom Herrenmagazin "der Spiegel". Hier ist man noch fleißig dabei, die Forderungen der Feministinnen der 60er Jahre in die Tat umzusetzen, und die ersten Erfolge zeigen sich immerhin: inzwischen ist hier schon jeder fünfte Redakteur eine Redakteuse. Bei so viel gleichstellungspolitischer Anstrengung kann es schon mal passieren, dass man die eine oder andere Entwicklung verpasst, und sich die Grundlagen für einen kontroversen Artikel über Gender Mainstreaming aus verschiedenen Wikipedia-Artikeln zusammenbasteln muss, ohne die Begriffe und alles was damit zusammenhängt verstanden zu haben. Denn nur so ist es zu erklären, dass der Autor tatsächlich versucht, mit fünfzig bis hundertfünfzig Jahre alten soziobiologischen Klischees über Männlichkeit gegen die Konsequenzen aus den Erkenntnissen der Genderforschung vorzugehen. Und plötzlich verkehrt sich die Ursache und Wirkung: da werden skandalöserweise Steuermittel darauf verwendet, den Jungen in der Schule "typisch jungenhaftes Verhalten" abzukonditionieren, während der Unterricht sich an "weiblichen Formen des Lernens und Gestaltens" orientiert. Die Natürlichkeit solcher geschlechtsspezifischer Verhaltensweisen und Interessen setzt der Autor einfach erst mal voraus. Und damit beweist dieser Artikel eigentlich sein genaues Gegenteil: es müssen noch viel mehr Steuergelder ausgegeben werden, bis auch der letzte Spiegel-Redakteur begreift, dass ein Kind von heute die wenigsten seiner - wie auch immer gearteten - Charaktereigenschaften der Lebensweise der Höhlenmenschen verdankt.
Aber die aufmerksamen Herren vom Spiegel haben sowieso auch nur die halbe Wahrheit über die Verschwörungspläne herausbekommen. Die andere Hälfte ist die: Der tobende Feministinnenmob rächt sich an den heutigen Jungen für fünftausend Jahre Patriarchat. Wenn ihre Strategie aufgeht, verlassen bald alle Jungen die Schule ohne Abschluss. Dann werden diese ungebildeten Versager zwangsverheiratet und von ihren amazonenhaften, in Prinzessinenkostüme gekleideten, börsennotierten Aktiengesellschaften vorsitzenden Frauen zu Hause am Herd festgebunden und zu willenlosen Sexsklaven erniedrigt. Mehrmals täglich kommen ihre Mütter und Schwiegermütter vorbei, nur um den geplagten, körperlich und seelisch gebrochenen Mann zur Hausarbeit anzutreiben und aus schierer Bösartigkeit mit ihren krallenartigen Fingernägeln zu kratzen, wobei sie aus ihren zahnlosen Mündern gar schauerlich lachen.
So und nicht anders wird es sein; das Elterngeld ist nur ein kleiner Vorgeschmack.

Freitag, 22. August 2008

Sesamstraße für Erwachsene

Ich habe gestern wieder mal Fernsehen geschaut und dabei viel gelernt. Zum Beispiel, dass die Verluste der IKB-Bank sozialisiert werden sollen. ???? Werden die da mit anderen Verlusten in den Verlustkindergarten gesteckt, damit die endlich mal lernen wie man sich benimmt? Natürlich nicht. Der Staat trägt Teile davon, soll das heißen (weil er so sozial ist? Weil er ein Sozialstaat ist? Diese Frage werden andere beantworten)
Und dann, zu fortgeschrittener Stunde, erklärte eine Pornoexpertin (frage nicht! MTV! Die nehmen ihren Bildungsauftrag wirklich ernst!): golden shower = ns = Natursekt = wenn die sich da immer so anpullern. Pfui! Da musste das Pornomädchen auch gleich ganz angewidert ihr Gesicht verziehen. Wir halten also fest: ns = Schweinkram.
Derart belehrt schaltete ich um auf Olympia, wo gerade ein Wettbewerb im Gehen ausgetragen wurde. Der Anblick der Geher inspirierte mich zu neuen olympischen Disziplinen wie Auf den Bus Warten, mein Mitbewohner schlug vor Schauen oder Schlafen. Darin sind wir wirklich ausgesprochen gut, es wäre nicht auszuschließen, dass wir die neue Medaillenhoffnung für Deutschland im urbanen Dreikampf werden. Einer meiner Vorschläge wurde vom mobilen Sportlexikon neben mir allerdings abgetan: gab es schon. Was man alles so lernt an einem Abend vor dem Fernseher.