Donnerstag, 9. Oktober 2008

Angst vor der Zukunft

Bekanntermaßen bin ich ja eine große Freundin von Automaten im Alltag. Aber der Apparat, auf den ich neulich auf der Toilette eines irischen Fastfood-Restaurants stieß, hat mich ins Grübeln gebracht. Er sah ungefähr so aus:
Es handelt sich um ein Loch in der Wand, in das man seine Hände stecken soll, und dann werden sie gewaschen. Zunächst einmal gibt es, glaube ich, eine natürliche und berechtigte Scheu davor, seine Hände einfach in irgendwelche dunklen Löcher zu stecken. Nachdem ich diese überwunden hatte und ein Sensor meine schüchternen Händchen erfasst hatte, bekam ich eine Portion Flüssigseife auf meine Handgelenke geklatscht. Gleich darauf tröpfelte kaltes Wasser in der hinteren rechten Ecke dieser Höhle auf meine Fingerspitzen. Noch unschlüssig, wie ich mit der Seife auf meinen ansonsten immer noch trockenen Handgelenken verfahren sollte, probierte ich ein paar Waschbewegungen, als das Wasser schon wieder aufhörte zu tröpfeln und aus der linken hinteren Ecke heiße Luft geblasen wurde. Da stand ich nun mit feuchten Händen und klebrig eingeseiften Handgelenken, und verfluchte die Automatenwelt, während das dumme Gebläse nicht aufhören wollte, heiße Luft zu produzieren und für einen zweiten Durchgang noch lange nicht bereit war.
Wenn ich mir überlege, wie Automaten unsere Leben schöner machen können, dann fällt mir trotz langem Nachdenken nicht ein, warum ich eine Maschine brauche, die mir bevormundend und noch dazu schlecht die Hände wäscht. Was soll das überhaupt? Jeder hat seine eigene Reihenfolge beim Händewaschen und sein Ritual (schon mal jemandem beim Händewaschen zugeschaut, der Medizin studiert hat?). Unterschiedliche Leute haben unterschiedlich schmutzige Hände, wie will diese dumme Maschine dem Rechnung tragen? Und ich mache mir Sorgen: Müssen wir uns auf eine Zukunft der schlecht gewaschenen seifigen Hände einstellen? Ich dachrte die Zukunft ist clean? Das wäre ja dann wohl das Gegenteil. Und vor allem: Was kommt als nächstes? Die automatische Toilette, die nach dreißig Sekunden einfach spült und die Tür aufmacht? Jemand erzählte mir einmal von einem Pflegeheim, in dem selbstreinigende Toiletten eingeführt wurden, bei denen sich der Sitz beim Reinigen dreht. Irgendwie hatte die Toilette nicht verstanden, dass noch eine Omi auf der Brille saß, als sie anfing, den Sitz zu drehen. Die arme Omi wusste nicht wie ihr geschah, als sie mit dem Toilettensitz zusammen rotierte... So sehr ich all die Maschinchen liebe und bewundere, die auf wunderbare Weise meine Wäsche und mein Geschirr und mein Auto waschen: mich selbst kann ich noch am besten sebst waschen.
Und wie immer gibt es gleichzeitig den entgegengesetzten Trend: Am Flughafen in Dublin sah ich nur wenige Tage später eine voll besetzte Schuhputzstation, in der drei Frauen in der altbekannten Pose, die wie keine andere die Demütigung des Dienenden zum Ausdruck bringt, zeitunglesenden Anzugträgern die Schuhe polierten. Dabei gibt es dafür doch nun wirklich Maschinen, und jede Rolltreppe macht das gerne im vorbeifahren.

Dienstag, 23. September 2008

Frage

... "klischeehafte Stereotypen" wollte ich gerade schreiben, weil es mir so ein natürlich zusammengehöriges Paar erschien, und tatsächlich, die zwei mögen sich gerne. Aber in Wirklichkeit ist das doch reine Vokabelanhäuferei, oder, wie unsereins gerne sagt, ein Pleonasmus. Denn Klischee = Stereotyp? Nur in einer anderen Disziplin?

Freitag, 29. August 2008

Verschwörungsalarm

Hinter jedem Busch, und, was noch schlimmer ist, hinter jedem Lehrstuhl und jedem Lehrerpult lauert heutzutage eine Feministin mit einer riesengroßen Heckenschere. Jetzt haben es diese feigen Biester auf die Schwächsten der Gesellschaft: die kleinen Jungs abgesehen. Deswegen sind die Lehrpläne neuerdings voll von Mädchenthemen wie: mit bloßen Füßen über eine Wiese laufen, Libellen beobachten und Schmetterlinge hinter Glas malen. Kein Wunder also, dass Jungen in der Schule immer schlechter werden. Der heimtückische Plan der feministischen Weltverschwörung lautet wie folgt: durch die gezielte Auslassung jungenspezifischer Themen (wie: Fussball, Ritterburg) wird das Interesse der Jungen am Schulunterricht systematisch sabotiert, um Mädchen einen Vorteil in der Berufswelt zu verschaffen, in der diese, auch so ein perfides Gerücht der Feministinnenlobby, bislang benachteiligt waren.
Bald hat die Feministinnenmafia ihr Ziel erreicht: schon sind große Teile der Universitäten, der Gewerkschaften, Schulbehörden und der Bundesregierung in ihrer skrupellosen Gewalt. Mit Hilfe von steuerfinanzierten Konfliktlotsen sowie des Berliner Verein "Dissens" und unter dem Deckmäntelchen des sogenannten "Gender Mainstreaming" wird die Männlichkeit und mit ihr ihre hervorragendsten Eigenschaften wie: Risikobereitschaft, Konkurrenzdenken, Aggressivität bald ausgemerzt sein.
Ja, so ist das. Und wer hat's aufgedeckt? Richtig: schon wieder die unerschrockenen Ritter vom Herrenmagazin "der Spiegel". Hier ist man noch fleißig dabei, die Forderungen der Feministinnen der 60er Jahre in die Tat umzusetzen, und die ersten Erfolge zeigen sich immerhin: inzwischen ist hier schon jeder fünfte Redakteur eine Redakteuse. Bei so viel gleichstellungspolitischer Anstrengung kann es schon mal passieren, dass man die eine oder andere Entwicklung verpasst, und sich die Grundlagen für einen kontroversen Artikel über Gender Mainstreaming aus verschiedenen Wikipedia-Artikeln zusammenbasteln muss, ohne die Begriffe und alles was damit zusammenhängt verstanden zu haben. Denn nur so ist es zu erklären, dass der Autor tatsächlich versucht, mit fünfzig bis hundertfünfzig Jahre alten soziobiologischen Klischees über Männlichkeit gegen die Konsequenzen aus den Erkenntnissen der Genderforschung vorzugehen. Und plötzlich verkehrt sich die Ursache und Wirkung: da werden skandalöserweise Steuermittel darauf verwendet, den Jungen in der Schule "typisch jungenhaftes Verhalten" abzukonditionieren, während der Unterricht sich an "weiblichen Formen des Lernens und Gestaltens" orientiert. Die Natürlichkeit solcher geschlechtsspezifischer Verhaltensweisen und Interessen setzt der Autor einfach erst mal voraus. Und damit beweist dieser Artikel eigentlich sein genaues Gegenteil: es müssen noch viel mehr Steuergelder ausgegeben werden, bis auch der letzte Spiegel-Redakteur begreift, dass ein Kind von heute die wenigsten seiner - wie auch immer gearteten - Charaktereigenschaften der Lebensweise der Höhlenmenschen verdankt.
Aber die aufmerksamen Herren vom Spiegel haben sowieso auch nur die halbe Wahrheit über die Verschwörungspläne herausbekommen. Die andere Hälfte ist die: Der tobende Feministinnenmob rächt sich an den heutigen Jungen für fünftausend Jahre Patriarchat. Wenn ihre Strategie aufgeht, verlassen bald alle Jungen die Schule ohne Abschluss. Dann werden diese ungebildeten Versager zwangsverheiratet und von ihren amazonenhaften, in Prinzessinenkostüme gekleideten, börsennotierten Aktiengesellschaften vorsitzenden Frauen zu Hause am Herd festgebunden und zu willenlosen Sexsklaven erniedrigt. Mehrmals täglich kommen ihre Mütter und Schwiegermütter vorbei, nur um den geplagten, körperlich und seelisch gebrochenen Mann zur Hausarbeit anzutreiben und aus schierer Bösartigkeit mit ihren krallenartigen Fingernägeln zu kratzen, wobei sie aus ihren zahnlosen Mündern gar schauerlich lachen.
So und nicht anders wird es sein; das Elterngeld ist nur ein kleiner Vorgeschmack.

Freitag, 22. August 2008

Sesamstraße für Erwachsene

Ich habe gestern wieder mal Fernsehen geschaut und dabei viel gelernt. Zum Beispiel, dass die Verluste der IKB-Bank sozialisiert werden sollen. ???? Werden die da mit anderen Verlusten in den Verlustkindergarten gesteckt, damit die endlich mal lernen wie man sich benimmt? Natürlich nicht. Der Staat trägt Teile davon, soll das heißen (weil er so sozial ist? Weil er ein Sozialstaat ist? Diese Frage werden andere beantworten)
Und dann, zu fortgeschrittener Stunde, erklärte eine Pornoexpertin (frage nicht! MTV! Die nehmen ihren Bildungsauftrag wirklich ernst!): golden shower = ns = Natursekt = wenn die sich da immer so anpullern. Pfui! Da musste das Pornomädchen auch gleich ganz angewidert ihr Gesicht verziehen. Wir halten also fest: ns = Schweinkram.
Derart belehrt schaltete ich um auf Olympia, wo gerade ein Wettbewerb im Gehen ausgetragen wurde. Der Anblick der Geher inspirierte mich zu neuen olympischen Disziplinen wie Auf den Bus Warten, mein Mitbewohner schlug vor Schauen oder Schlafen. Darin sind wir wirklich ausgesprochen gut, es wäre nicht auszuschließen, dass wir die neue Medaillenhoffnung für Deutschland im urbanen Dreikampf werden. Einer meiner Vorschläge wurde vom mobilen Sportlexikon neben mir allerdings abgetan: gab es schon. Was man alles so lernt an einem Abend vor dem Fernseher.

Mittwoch, 21. Mai 2008

A propos Amstetten

Nichts Böses ahnend wollte ich mir neulich nachts noch einen Film anschauen, und dann das: Bad Boy Bubby. Der Film handelt von einem Mann, der von seiner Mutter 35 Jahre im Keller gefangen gehalten wurde. Ihre uneingeschränkte Herrschaft in diesem Keller verdankt die Mutter einem rigiden Moralsystem aus Schuld und Bestrafung, Wohlverhalten und Belohnung, in das unter anderem Jesus involviert ist (der alles sieht), und das als Bestrafungs- bzw. Belohnungsmittel körperliche Züchtigung bzw. inzestuösen Beischlaf enthält.
Der Film handelt eigentlich davon, wie Bubby, nachdem er dem Keller entflohen ist, in der Welt draußen zurechtkommt (nämlich besser als man erwarten würde), aber vor dem aktuellen Hintergrund fand ich vor allem die Situation in dem Keller interessant.
Man könnte zunächst einwenden, dass diese Konstellation, in der die Mutter/Frau der Täter ist, die Realität verharmlost, in der nun mal in den meisten Fällen (Zahlen? oder ist das eine so populäre Wahrheit, dass man sie nicht mehr belegen muss?) der Vater/Mann als Aggressor in Erscheinung tritt. Andererseits legt genau diese Verdrehung der naheliegenden Richtung von Gewalt die eigentliche Struktur von Gewalt frei, deren Grundlage zunächst eine von beiden Seiten anerkannte Hierarchie bildet. Und auch wenn in den meisten Fällen die patriarchiale Ordnung den Vater/Mann an die Spitze der Hierarchie setzt, kann das Ganze genausogut mit umgekehrten Vorzeichen stattfinden, indem z.B., wie in diesem Fall, das Hierarchiesystem Alter/Jugend über das System Mann/Frau gestellt wird. Gewalt ist also nicht männlich, sie ist strukturell, sagt dieser Film. Indem die Mutter sich "männlich" verhält, zeigt sie die Variabilität solcher geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen. Das ist doch schon mal ziemlich queer für einen Film von 1993.
Bemerkenswert daran ist auch, wie diese Strukturalität von Gewalt vorgeführt wird: Es gibt einige Szenen, in denen die Mutter den Sohn verprügelt und er sich nicht wehrt, obwohl er offensichtlich körperlich stärker ist als sie. Und auch Jesus, der ja eigentlich für alle da sein sollte, vor allem für die Schwachen, oder der in einer anderen Deutungsart Repräsentant des patriarchialen Herrschaftssystems ist, ist hier auf der Seite der Mutter, der Starken; er passt auf wenn sie nicht da ist und verteidigt so das bestehende System. Wenn die Hierarchie also erst einmal etabliert ist, dann verweisen alle Zeichen auf ihre Konsistenz. So ist es dann auch möglich, dass die Mutter den Sohn sexuell missbraucht, dass sie ihn ihrem Begehren unterwirft, ein Vorgang, der die übliche Auffassung von sexueller Dominanz konterkariert. Der Penis und die damit assoziierte sexuelle Dominanz ist demnach nicht Ursache, sondern nur Ausdruck männlicher Herrschaft, und damit relativ.
Folgerichtig gerät das Herrschaftssystem im Keller auch erst aus den Fugen, als eine weitere Person auftaucht, nämlich der Vater, der (hallo Konvention) wiederum die Mutter unterwirft und dem Sohn so neue Handlungsmöglichkeiten eröffnet.
Alles in allem ein kontroverser Beitrag zum Thema, ich wundere mich, dass er noch nicht im Fernsehen gezeigt wurde. Hier kann man den Film online in voller Länge anschauen. Die Qualität ist zwar nicht besonders gut, aber wenn die Videothek schon zu hat oder zu weit weg ist, ist es alle mal eine Option.

Freitag, 16. Mai 2008

Automatenwelt

Letzte Woche war ich in einer Drogerie (die, deren Anzeigenblättchen den schönen Namen Thesaur - ach nee: Centaur trägt). Ich wollte eine Creme kaufen, für mein Gesicht. Weil es sich nur um eine kleine Filiale der Drogeriemarktkette handelte, gab es nur ungefähr einen Kilometer Regal mit Gesichtscremes. Nach einer halben Stunde hatte ich die Etiketten von circa zehn Prozent der Produkte gelesen und versucht zu verstehen (Nahrologie? Ist dieses schreckliche Fantasie-High-Tech-Wort wirklich von Nahrung abgeleitet?) und dachte mir, dass ich vielleicht nicht den ganzen schönen Tag damit verbringen wollte, eine Creme zu kaufen, und fragte eine Verkäuferin um Rat. Problem hier, Haut da, so und so, welche Creme? Hmpf umpf - ja, das käme nun darauf an, auch auf persönliche Vorlieben. Welche Firma man auch gerne mag, zum Beispiel. Ich solle doch mal die Etiketten durchlesen. Gegen Pickel helfe Clerasil, zum Beispiel. Aha. Mal abgesehen davon, dass ich von all den schrecklichen Hautproblemen, die man haben haben kann, ausgerechnet das Pickel-Problem nicht in beunruigendem Maße habe: Dass Clerasil gegen Pickel ist, war ungefähr das einzige, was ich über Gesichtspflegeprodukte wusste, bevor ich in diesen Laden trat. Anscheinend war es leider auch das einzige, was die arme Verkäuferin wusste, weshalb ich den Laden dann ohne Creme wieder verlassen habe. (Vorher erhielt ich noch den Rat, wenn ich eine richtige Beratung bräuchte, solle ich doch mal in die Apotheke gehen. Leider muss man die wirklich guten Theaterstücke immer alleine spielen, denn die Frau hatte doch glatt die andere Hälfte ihres Textes auch noch vergessen: "Dort gibt es auch die Apotheken-Rundschau mit praktischen Tips rund um Ihre Gesundheit!")
Während ich noch überlegte, wie ich mein Creme-Problem lösen könnte (Gespräche mit gut informierten Freunden führen? Immer wenn ich irgendwo zu Besuch bin im Bad mich heimlich eincremen? bei Wikipedia schauen was die in der Antike genommen haben und mir Olivenöl und Joghurt aus der Küche ins Gesicht klatschen?) fiel mir im Eingang meiner Schwimmhalle neben dem altbekannten Getränke- und Süßigkeitenautomaten dieser neu installierte Automat ins Auge und erregte sofort meine helle Begeisterung:

Das ist ein Automat, in dem man Kleidung kaufen kann. Shirts, Unterwäsche, Babystrampler, Sporttaschen. Zugegeben, die Auswahl ist nicht gerade umfassend, aber es ist ja auch erst ein Versuch. Vielleicht ist es sogar nur ein Witz. Denn wer kauft schon seine Unterwäsche im Eingang zur Schwimmhalle? Oh, ich mach das vielleicht bald mal, wenn ich gerade zufällig eine Tonne Münzen in der Tasche habe. Denn Automaten sind die Zukunft! Und dieser Klamottenautomat weist uns den Weg!
Nach der Revolution werde ich eines Tages ratlos vor einem Kosmetika-Automaten stehen, und es wird eine Frau neben mich treten, die vor der Revolution Verkäuferin bei Rossmann war. Jetzt hat sie, wie alle Menschen, unfassbar viel Freizeit, und schaut sich im Fernsehen gerne Werbung für Gesichtspflegeprodukte an. Und dann wird sie mich fragen, ob ich Hilfe brauche, und wird für mich die richtige Creme für die reife Haut ab 120 heraussuchen...

Freitag, 11. April 2008

Mountain Battles

Nun ist ja letzte Woche die neue Breeders-Platte herausgekommen. "Mountain Battles" heißt sie, und ich habe sie mir noch nicht gekauft, hauptsächlich wahrscheinlich weil ich immer noch beleidigt bin wegen der Absage des Berlin-Konzertes, auf das ich mich schon so gefreut hatte. Aber auf dieser ebenso dilettantisch anmutenden wie charmanten Seite habe ich dieses Video gefunden



auf dem man nicht nur die ganze Platte hören kann, sondern auch noch sehen kann, wie wild es auf der Record-Release-Party zuging. Echter Rock'n'Roll eben. (Übrigens habe ich erst neulich, als ich mit einem befreundeten Lichttechniker mich unterhielt, die Bedeutung des Begriffes "Rock'n'Roll" erfasst: Es kommt (so habe ich es mir erklärt) daher, dass die Band ankommt, aufbaut, abends rockt, dann wieder alles zusammenpackt und weiterfährt (rollt), und in der nächsten Stadt wieder aufbaut, rockt, rollt, usw. Interessant, oder?)
Ich muss leider sagen, dass mich diese Platte auch jetzt beim dritten Hören noch nicht vom Hocker gerissen hat, im Gegensatz zum Beispiel zur ersten und einzigen Amps-Platte, "Pacer", die ich unerklärlicherweise erst letztes Jahr für mich entdeckt habe.
Es klingt wie die Breeders, das ist schon mal schön, und es beginnt verheißungsvoll wie eine Messe, aber dann tröpfelt es einfach ab. Keine überraschenden neuen Ideen, keine besonderen Höhepunkte, eher ein Experimentieren mit Bekanntem (die schönen Gitarrendialoge gibts jetzt auch mit Stimmen) und Neuem (natürlich: Country). Das meiste klingt so, als wäre es noch nicht ganz fertig. "Die Schönheit der Fragmente" las ich hier, das trifft es ganz gut. Nur das vierte Lied (darf man überhaupt noch "Lied" sagen? Oder heißt das jetzt offiziell "Song"?) "We're Gonna Rise" versetzte mich spontan in den typischen Breeders-Zustand: Treiben in einer Blase aus Harmonie und leichtem Wahnsinn, in der die Zeit stillsteht. Ich musste das Lied dann auch immer wieder hören, um diesen embryonalen Zustand möglicht lange aufrecht zu erhalten. Aber trotzdem wollte sich die ersehnte Euphorie nicht so recht einstellen.
Ansonsten habe ich bis jetzt auch nur wohlmeinende Verrisse gehört oder gelesen, deren Milde sich, so glaube ich, hauptsächlich daraus speist, dass die Herren (und Damen) Musikjournalisten sich daran erinnerten, dass sie früher gerne mit Kim Deal geschlafen hätten. warum auch nicht. Ich habe nichts mehr gegen Musikjournalisten, nachdem ich einen dieser ach so abgekochten Burschen letztes Jahr auf einem Silver Mt. Zion-Konzert habe weinen sehen.
Dieses kleine Interview habe ich noch gefunden, aber es erzählt leider auch nicht viel mehr, außer dass Drogen wirklich das Gehirn schädigen.
Was soll ich sonst noch sagen? Ich bin ratlos. Aber ich bin ja auch kein Musikjournalist.